Veröffentlichung in der Zeitschrift :

Experimentelle und klinische Hypnose

Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Hypnose

Außergewöhnlicher Fall


Patient und Methode: 

Es wird eine 38jährige Patientin mit multipel metastasiertem Mamma-Karzinom vorgestellt, die auf Grund einer Metastasierung im Bereich der Augen (Aderhaut) bestrahlt wurde und anschließend erblindete. Nach mehreren Sitzungen in Hypnose stellte sich auf einem Auge wieder die Sehkraft ein, so daß der Patientin eine alleinige Orientierung wieder möglich war.


Schlußfolgerung:

In keiner Fachliteratur ist bis jetzt die Wiedererlangung der Sehkraft nach Erblindung durch Bestrahlung einer Aderhautmetastase beschrieben worden . 

Da durch Hypnose Veränderungen der Blutzirkulation hervorgerufen werden können,  ist vielleicht eine Revaskularisierung der Retina erfolgt, die der Patientin ein Sehen wieder ermöglichte.


Schlüsselworte:

Hypnose – Blindheit – Mammakarzinom – Tumorpatient


Patient and Therapy:

The case of a 38-years-old women with a multiple metastatic mamma carcinoma is presented. A choroidea metastasis was triated with radiation therapy and subsequently the patient grew blind . As a result of  hypnotherapy she regained visual power on one eye wich enabled her to lead her life without support of others again.


Conclusion:

Nothing has been published so far about a patient turning blind after a radiation therapy of the chorioidea and regaining her/his visual power afterwards. Hypnosis can cause a change in blood circulation. Perhaps in this case a revascularisation of the retina may have happened thus enabling the patient to see again.


Keywords:

hypnosis – blindness – mamma carcinoma – tumor patient



Die im Folgenden vorgestellte Patientin ist 38 Jahre alt, und bei ihr wurde im 34. Lebensjahr ein Mamma-Karzinom festgestellt. Es erfolgte die Brustamputation mit nachfolgender Chemotherapie. Ein Jahr später traten Metastasen in der Aderhaut beider Augen auf. Daraufhin erfolgte die Bestrahlung dieser Regionen bis zu einer üblichen Zielvolumendosis von 40 Gray zu je 2 Gray (Gray sind die physikalischen Einheiten der verabreichten Strahlung).  


Als Folge der Bestrahlung kam es nach 7 Monaten zu einer Strahlenretinopathie, die zu einer so starken Verminderung der Sehkraft führte, daß der Patientin eine selbständige Orientierung in ihrer Umgebung nicht mehr möglich war (die Spätnebenwirkungen einer Bestrahlung beruhen meist auf Verengung oder gar Verschluß kleiner Blutgefäße in der bestrahlten Region, wodurch eine Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen vorliegt). Die Patientin konnte lediglich nur noch zwischen hell und dunkel unterscheiden. 


Der Visus betrug am linken Auge 1/20 und am rechten Auge 1/35 (Normwert ist 1; d.h. man kann in einer Entfernung von 5 Meter 2 Punkte mit einem Abstand von 1,5 mm erkennen). In den nächsten vier Monaten erfolgte eine Verschlechterung des Visus am linken Auge auf 1/50 und am rechten Auge die vollkommene Erblindung. 


Im Verlauf der Erkrankung traten multiple (viele) Metastasen in der Leber und in den Knochen auf. Aus diesem Grunde wurde die Patientin in unserer Klinik an verschiedenen Lokalisationen bestrahlt. Zu diesem Zeitpunkt begannen wir auch mit der Hypnosetherapie. 


Der Inhalt der Sitzungen wird im Kommenden stichwortartig dargestellt.


1.Sitzung: Spaziergang am Meer, Ausruhen auf einer Düne; Schöpfen von Kraft und Ruhe aus dem unendlichen, immer am Leben und in Bewegung seienden Universum.


2.Sitzung: Allgemeine Selbstwertstärkung in Verbindung mit Armlevitation.


3.Sitzung: Reise auf einem Fluß zur Quelle hin; hier Trinken vom Wasser des Lebens und Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist (Vermehrung, Stärkung und Aktivierung der Abwehrzellen).


4.Sitzung: Während der Induktion einer Katalepsie des Armes entwickelt sich ein neues Weltbild, in dem die Patientin Energie, Ruhe und Kraft auftankt. Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist.


5.Sitzung: Patientin hat Probleme mit den Erziehungskindern. 

In Trance Verankerung eines guten Gefühls im rechten Daumen und eines schlechten Gefühls im rechten Zeigefinger; bei Beginn des Auftretens eines schlechten Gefühls kommt es automatisch zu einem Fingerschluß zwischen re. Daumen und re. Zeigefinger. Hierbei kommt es zum Überfließen des guten Gefühls über das schlechte Gefühl hinweg in den gesamten Körper. Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist.


6.Sitzung: Die Probleme mit dem Erziehungskind haben sich deutlich gebessert. Das schemenhafte Sehen ist schlechter geworden.

In Trance liegt der Körper am Strand und der Geist tritt aus dem Körper heraus und begibt sich an seinen ganz persönlichen Ort der Entspannung. Hier wird  Kraft, Ruhe und Energie getankt, während der Geist durch eine Seifenblase nach außen hin abgeschirmt wird. Körper und Geist erholen sich getrennt voneinander und so haben sie die Möglichkeit, jeder nur für sich da zu sein. 

Die Patientin sieht den Geist als Ball und die Energie wird durch die Stirn aufgenommen. Nach Wiedervereinigung von Körper und Geist erfolgt nach Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist, die Beendigung der Trance.

Nach ca. einer Minute geht die Patientin mitten aus dem Nachgespräch heraus von selbst erneut in Trance und verbleibt dort für drei Minuten. Während dieser Zeit sah sie sich in der Abenddämmerung am Strand in Ägypten und beobachtete den Sonnenuntergang. (Dieses Erlebnis hatte sie ein Jahr zuvor in ihrem Urlaub erlebt).


7.Sitzung: Die Patientin wünscht, daß sich Körper und Geist wieder getrennt voneinander erholen. Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist.


8.Sitzung: Die Patientin sieht mit dem linken Auge jetzt wieder etwas besser. Es folgt die Geschichte von „Fridolin dem Tausendfüßler“ ( siehe Exkli 1/99). Während der Geschichte tritt der Geist aus dem Körper heraus und ein blau-violetter Lichtstrahl fließt in den Körper hinein. Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist.


9.Sitzung: Die Patientin läßt während der Trance ihr inneres Auge durch den Körper wandern. Sie sieht die Tumorzellen als schwarze Kugeln mit einem blauen Saum und ca. 1 cm Durchmesser. Die Abwehrkräfte sind weiße Kugeln von ca. 2 cm Durchmesser. Wenn die Abwehrkräfte auf die Tumorzellen treffen, werden die schwarzen Kugeln „neutralisiert“. Es entsteht eine blaue Kugel, die davonschwebt und sich in nichts auflöst. Aktivierung des Teils, der für die Immunstimulation zuständig ist.

 

Diese Sitzungen erstreckten sich über einen Zeitraum von 14 Wochen. Innerhalb dieser Zeit gab die Patientin an, Lichterscheinungen und Lichtvisionen  erlebt zu haben über den Tag verteilt, insbesondere aber abends im Bett vor dem Einschlafen. 


Währenddessen verbesserte sich sukzessive die Sehleistung der Patientin auf dem linken Auge so stark, daß sie sich nach dieser Zeit ohne fremde Hilfe wieder orientieren konnte. Auch für die täglich mit der Patientin in Kontakt stehenden MTRA´s (Medizinisch Technische Röntgenassistentinnen) war es sehr eindrucksvoll, mitzuerleben, wie die Patientin ohne fremde Hilfe den Bestrahlungsraum betreten und verlassen konnte und sich auch in diesem einwandfrei orientieren konnte. Ebenfalls im Warteraum konnte sie sich einen unbesetzten Platz selbst wählen. 

Abgesehen davon war es der Patientin nunmehr möglich einzelne Personen anhand ihrer Gesichter zu unterscheiden und Einzelheiten der Kleidung wie z.B. das Muster einer Krawatte zu erkennen. Sie konnte sogar mit Hilfe eines Lesegerätes die Zeitung und Bücher wieder lesen. 

Die konsultierten Augenärzte fanden für die deutliche Besserung des Befundes keine Erklärung.


Diskussion: Nach dem heutigen Stand der Schulmedizin gibt es keine bekannten Fälle, in denen nach einer Erblindung auf Grund einer Bestrahlung der Aderhaut eine Verbesserung des Visus eingetreten ist. Es ist bekannt, daß Hypnose eine Veränderung der Durchblutung bewirken kann. So ist zu vermuten, daß es auf Grund dieses Prozesses evtl. zu einer Revaskularisierung der Retina gekommen ist, die eine Verbesserung des Visus bewirkte. 

Dies ist (wieder) ein Beispiel dafür, daß wir uns in unserer Arbeit mit Patienten immer wieder überraschen lassen sollen. 

Gerade bei Tumorpatienten erlebe ich häufig Überraschungen, was nicht nur die psychische Stabilisierung, die Verarbeitung der Erkrankung und manchmal des bevorstehenden Todes angeht, sondern gerade auch eine unerwartete Besserung der körperlichen Situation.